Ärger und Hoffnung

Martin Döring, 6. März 2021

Sparkassen haben auch immer weniger Personal. Da stehst Du in der Schlange und denkst: Mit meinem Online-Banking geht das alles immer viel schneller und unkomplizierter. Und ich muss mich auch nicht irgendwelcher Angebote erwehren, die ich nicht brauche.

Dann, im Online-Banking: Mein Android-Handy muss natürlich genau dann, wenn ich die TAN meiner Transaktion eingeben will, ein Update einspielen. Irgendwie klemmt alles, dann Neustart, dann geht es wieder. Miststück.

Stehst Du in der Schlange bei der Sparkasse, dann hast Du Ärger, aber auch Hoffnung, dass es online dann ja alles viel besser ginge. Jaja, auch der Fortschritt... Beim Online-Banking denkst Du, wenn ich bei meiner Sparkasse bin, da hätte es sowas nicht gegeben. Da gibt es dann die gute Frau Müller, die sich im Zweifel in Person um meine Probleme kümmert. Früher war das besser.

Egal, was wir machen: Es gibt immer Ärger und immer Hoffnung. Aber alles ist im Grunde nur ein großer Brainfuck, Ärger und Hoffnung existieren nur in unserem Dickschädel. Und wir pendeln hin und her und legen uns die Dinge zurecht, so, wie es uns gerade am Besten in den Kram passt.

Alles ist immer besser so, wie wir uns die Sache gerade zurecht gelegt haben. Wir sind bei der Sparkasse, weil die so viel näher am Kunden ist, wir kaufen den Spiegel-Bestseller beim Buchladen nebenan, um nicht Konzerne zu unterstützen, wir schalten unsere Geräte aus, weil Standby schadet ja der Umwelt.

Es gibt immer Hoffnung, und wir wurschteln uns so durch. Und wir fühlen uns gut mit unseren Entscheidungen. Eigentlich können wir ja gar nichts mehr falsch machen. Man sagt, die Hoffnung sterbe zuletzt. Aber eigentlich stirbt die Hoffnung nie, sie ist sehr flexibel.


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